08/08/2022 Korrelation

Gibt es eine Verbindung zwischen einem wiederkehrenden, ungewohnt abgeschwächten Gefühl und einer Veränderung in der jüngsten Vergangenheit? Wie komme ich der Antwort auf die Spur, wenn mir spontan nichts in den Sinn kommt?

Spurensuche

Erst suchte ich allein, dann mit anderen zusammen. Wir gingen gedanklich gut 12 Wochen zurück, irgendwo dort musste die Ursache liegen. Ratlos blieben die Köpfe zurück. Einige Stunden später fiel es mir dann ein, einfach so. Als wenn ich gerade vergessen hätte, was ich eigentlich in der Küche gewollt hatte und es mir dann eine Viertelstunde später in den Kopf kriecht. Ich hatte nach langer Zeit gleich mit drei Menschen persönlich gesprochen, die meine Themen Trauer und/oder Depression teilen. Da fühle ich natürlich mit. Und wann immer es mir besonders gut gegangen war und ich einen Grund zur Freude hatte, bliebt dieses Gefühl bei mir schwach ausgeprägt.

Glaubenssätze

Meine Interpretation: Ein neuer Glaubenssatz hatte sich geformt. “Es darf mir nicht so gut gehen, wo es mir doch so schlecht gegangen war. So, wie es den Anderen jetzt gerade geht.” Ich konnte mir nicht erlauben, zu viel Freude, Glück und Stolz zu empfinden. Erstmals habe ich nicht alte Glaubenssätze entdeckt und versucht, aufzulösen, sondern beobachtet, wie ich einen neuen entwickelt hatte. Reflexion ist hier die Spur gewesen und ich habe mir jetzt bewusst erlaubt, gerade wegen der gemeinsamen Erfahrungen ein Hoch zuzulassen und zu geniessen. Denn dies wünsche ich mir für alle, die gerade dunkle Zeiten erleben. Es ist der Glaube daran, dass auch das schwerste Gefühl seine positive Umkehrung kennt. Für jeden.

31/07/2022 Kaltes Wasser

Nach einer anstrengenden Wanderetappe auf und ab durch eine Schlucht, in der Szenen für Star Wars entstanden, höre ich den Wasserfall. Dem Geräusch nach unten folgend erreiche ich das kalte, klare Wasser. Ich kühle meine Arme, meinen Nacken und mein Gesicht. Was für ein Geschenk eine Quelle ist. Wie lebensnotwenig Trinkwasser ist, wird mir besonders nach Sport, nach dem Aufstehen und ab 26 Grad bewusst. Dass es trinkbar aus der Leitung kommt, vermisse ich besonders, wenn ich in einem Land mit gechlortem Leitungswasser bin.

Sauberes, klares und kaltes Wasser ist mehr als ein Nahrungsmittel, bestehen wir selbst doch hauptsächlich daraus. Der Zugang dazu entscheidet über Gesundheit, Krankheit, Leben und Tod. Zu Recht gibt es Initiativen, die das Menschenrecht auf Wasser in die Welt rufen und Trinkwasserbrunnen bauen. Schon länger meide ich Obst und Gemüse, vor allem Erdbeeren, aus Spanien. Die massive Bewirtschaftung senkt dort den Grundwasserspiegel bedrohlich. Das Wasser von börsennotierten Marken, die es in einer für die Bewohner kritischen Menge entnehmen, ist für mich ein No-Go. Noch scheint das Thema Knappheit diesbezüglich in Nordeuropa aber weit weg zu sein. Noch.

Noch habe ich zu Besuch in der Vulkaneifel die Wahl zwischen einem halben Dutzend unterschiedlicher Quellen aus der Region. Noch habe ich immer den Wasserhahn, um meinen Wasserhaushalt in Balance zu halten. Für mich ist der Zugang zu Wasser kritischer als für andere. Vielleicht fällt es mir deshalb auch erst auf und ich sehe Wasser nicht als Selbstverständlichkeit. Unterwegs sorge ich für Vorrat oder Nachkauf auf dem Weg. Wie zuvor angesprochen gibt es hilfreiche Medikamente, oft gibt es Nebenwirkungen oder Besonderheiten zu beachten. Meines darf eine gewisse Konzentration im Blut nicht überschreiten, da es sonst toxisch ist. Ergo schaue ich hier bewusster hin, gehe dank der “Mehr-Liter” am Tag auch mehr aufs WC und hoffe, dass die regelmäßig überwachten Blutwerte in Ordnung sind. Grund genug für mich mal zu sagen: Danke, kaltes Wasser, mein Lebensretter!

29/07/2022 Mondlandschaft

Vom Tal aus gesehen ragen die Tannenspitzen in die Wolken, die Sonne dahinter zeichnet ein zartes Weiss. Der Hahn hinterm Haus kräht kurz vor sieben und die sich setzenden Holzbalken der neuen Blockhütte knacken vereinzelt. Ein Idyll, abgesehen vom kleinen Brand direkt hinterm Haus, hinter dem Fluss, der letzten Sommer überlief. Während hier innerhalb einer Stunde alles gelöscht war, brennen anderswo Wälder unkontrolliert weiter. Auch das schönste Panorama birgt Dramen, denn wo der Mensch ist, ist Leben in all seinen Facetten. Wie sieht es aus, wenn ein ganzer Wald schwarz geworden ist? Was musste weichen, was kann neu entstehen?

Flashback

Vor beinahe 20 Jahren: Für ein Wochenende entfloh ich dem Treiben der Millionenstadt. Eine Kollegin hatte mich zu sich eingeladen. Nach Feierabend setzten wir mit der Fähre über. Ein grünes Idyll, kein Autoverkehr, eine Siedlung direkt am Strand. Dahinter der grüne Berg, der das Meer zu berühren schien. Nach einem 40-stündigem Grossbrand war dieser schwarz geworden. Es regnete Asche. Ich erinnere mich an die Fotos in der Lokalzeitung, als der Bergkamm bedrohlich glühte. Es blieb eine Mondlandschaft an einem der grössten Berge Hongkongs zurück. Ein Programm zur Wiederaufforstung hatte Mühe, das Idyll wieder zu beleben.

Neues entsteht

Wenn unsere Seele durch eine Krise erschüttert wird, verlieren wir oft den Halt. Etwas in uns stirbt, brennt ab. Es ist dann ein Prozess, anzuerkennen, was nicht mehr ist. Wenn ich mich in einer kargen Mondlandschaft bewege fällt es mir schwer an ein Aufblühen zu glauben. Ein Wald wird nicht als Ganzes gepflanzt. Jede Saat, jeder einzelne Baum ist ein Teil der Lösung. Ich pflanze meist nicht an allen Stellen gleichzeitig an, sondern suche mir einen geeigneten Startpunkt aus. Wie ich einen Wald wiederherstelle, so kümmere ich mich um meine Seele. Schritt für Schritt und nachhaltig. Vielleicht brauche ich stärkere und tiefere Wurzeln für eine stabile Zukunft? Bei aller Tragik kann ich mich neu fragen, was alles in meinem neuen Wald Platz haben darf. Wenn ich damit starte, was mir gut tut, was ich vermisse, dann lasse ich automatisch weg, was eher hinderlich war. Unbestritten verliere ich durch eine Krise Essenzielles in meinem Leben. Es kann auch eine Chance sein, die wirklich relevanten Bausteine zu suchen, um neu aufzubauen, was mich jetzt zufrieden macht.

15/07/2022 Psychopharmaka

Diese Zeilen sind für alle, die sich fragen, ob Medikamente für psychische Erkrankungen richtig sind. Es ist auch ein versöhnlicher Text an mein Alter Ego. Denn ich selbst habe über einige Jahre mein Nein zu Psychopharmaka manifestiert. Ich brauchte Zeit, Einsicht und eine erste richtige Krise, um mich darauf einzulassen. Frage ich mich, ob ich schon damals ja zu Medikamenten hätte sagen sollen? Eher nicht. Damals hatte ich das Wissen und Vertrauen nicht, dafür leichtere Alternativen wie eine Trauma-Therapie.

Zeitpunkt

Orientierung gibt die Einteilung in leichte, mittelgradige und schwere Depressionen. Ab einer mittelgradigen Depression kann diese Frage konkret mit einer Psychologin/einem Psychologen und/oder einem/r Psychater/in besprochen werden. Ist die Depression schwer oder droht sie immer wieder zu kommen (wie bei mir) oder sich zu chronifizieren, betrachte ich diese Abwägung als sehr wichtig. In akuten Episoden sind schnell wirksame Präparate Lebensretter. Ohne die wäre ich längst nicht mehr hier, um meine Erfahrungen teilen zu können.

Ohne die unterschiedlichen und individuellen Ausgangspunkte zu kennen, steht meist Misstrauen im Fokus. Was genau bewirkt ein Antidepressivum, warum wird mir genau dieses Präparat vorgeschlagen? Hat es, neben dem Umsatz für die Pharmaindustrie ein echtes Potential, meine mentale Gesundheit nachhaltig zu verbessern? Wann tritt die Wirkung ein und was, wenn nicht? Was sind die Nebenwirkungen und gehen diese nach einer Gewöhnung wieder weg? Wie lange muss ich es einnehmen?

Wie in vielen Szenen beim Arzt empfehle ich, alle Fragen aufzuschreiben und zu stellen. Oft scheint es, dass Ärzte/Ärztinnen in ihrem Alltag die persönliche Tragweite dieser Entscheidung nicht mehr nachfühlen. Es ist Routine geworden. Zudem ist Zeit ein knappes Gut. Wundert euch nicht, sondern fordert Antworten ein. Holt euch einen Angehörigen ins Gespräch, wenn die Kraft allein nicht reicht. Es ist euer Gehirn, euer Körper. Das Vertrauen in die ärztliche Beratung ist die Basis, um sich voll auf die medikamentöse Therapie einlassen zu können. Tauscht euch mit nur wenigen Betroffenen aus, recherchiert auf seriösen Seiten wie der der Deutschen Depressionshilfe und macht einen Bogen um Foren und Suchmaschinen. Wie bei Käuferbewertungen wird es immer Stimmen gegen alles geben. Für pauschale Aussagen ist die Thematik zu komplex. Es gibt lokale Selbsthilfegruppen oder Gesprächsangebote, die weniger oberflächlich Informationen und Erfahrungen miteinander teilen.

Für und wider

Wir fragen uns, was wir durch Medikamente verlieren können. Vor allem, wenn wir den Beipackzettel studieren. Habt ihr euch diesen mal bei Kopfschmerztabletten durchgelesen? Nein? Genau, sind ja nur Kopfschmerzen und eine Einnahme an maximal 3-4 Tagen. Psychopharmaka greifen in die biochemischen Prozesse im Gehirn ein und ich nehme sie meist mindestens ein Jahr lang. Da ist es verständlich, skeptisch zu sein und zu hinterfragen.
Wir dürfen uns auch fragen, was wir durch Medikamente gewinnen. Es ist die Chance auf eine Besserung, ein Weg zurück in ein lebenswerteres Leben. Wir können stabiler werden, Sicherheit und Vertrauen neu aufbauen. Beziehungen wieder empfinden und schöne Gedanken denken, uns besser fühlen. Und was wäre die Alternative? Wenn ich gefühlt alles versucht habe, von Therapie über Sport und Achtsamkeit bis zur Kur, und ich nichts mehr zu verändern weiß, dann wird Zeit allein nur selten reichen. Natürlich ist es deine Entscheidung, keine Medikamente zu probieren. Es ist auch deine Entscheidung, Medikamente zu nehmen und zu prüfen, ob es es aufwärts geht. Es ist genauso deine Entscheidung, den Versuch in ärztlichen Begleitung zu beenden. Bitte nie allein einfach absetzen, es gibt Absetzsymptome. Sogar beim langsamen Ausschleichen, also reduzieren der Dosis, kommen körperliche Symptome häufig vor.

Nun stelle dir vor, du hast dich für Medikamente entschieden und sie wirken. Erste Veränderungen ins Positive werden spürbar. Alle zehn Tage bemerkst du neue Verbesserungen. Nach drei Monaten kannst du dir kaum vorstellen, dass es dir “damals” so mies ging. Wie schnell es doch aufwärts gehen und stabil bleiben kann. Für diese Option lohnt sich die Abwägung sehr. Es braucht ein wenig Mut, es braucht Experten, die einen begleiten, und vielleicht die Worte von jemandem, der vor derselben Entscheidung stand wie du jetzt.

25/06/2022 Just be

We worry about the future, we think of long forgotten thoughts and want to change the past for an alternative future. Whenever we are asked “How are you?”, we do not hear the “, right now?” at the end. We usually answer by telling how we struggled the week before or about the tasks of the days to come. When we describe a perfect tomorrow, we only talk about what will be added or removed and never about what there is to stay.

The truth is, that life is neither in our yesterday, nor in our tomorrow.

So when did we forget to just be? Just be who we are, where we are. Somewhere between our childhood and our grown-up-selves, we lost this natural way of being. Where time, worries and regrets do not exist. We are aware of our surroundings, focused on ourselves and we see the fullness of being alive. There is no place to run from and no place to go. Just be where we are and accept what is.

I see toddlers playing in the sand for hours. Dogs who lay down on the sunniest floor near the window to rest. I see the smile in an artist‘s face when the applause rises. People who open their eyes after a meditation. Someone walking through a garden who feels the joy of being surrounded by the beautiful nature.

Instead, I observe couples in a restaurant who starre at their smartphones instead of talking to each other. I see inpatient customers who give their energy to the row in front of them. I hear people trying to overcall the holiday plans of others. I hear people who empower bad experiences from the past by talking about them again and again.

Maybe, you can take these thoughts to identify your own buttons for past and future. And discover a little action for just being here and now.

14/06/2022 Vermissen

Vermissen ist wie träumen – nur rückwärtsgerichtet.

Pause.

Mein Mann sagt, dass man über den Satz erst ein wenig nachdenken muss, bevor er sich erschließt. Ich glaube, er hat Recht. Heute morgen bin ich aus einem komplexen Traum aufgewacht. Wie ein 3D Wimmelbild voller Erzählsprünge. So spannend, dass ich ihn dank luzidem Träumen fortgesetzt und näher angeschaut habe. Ich erkenne Szenen und Personen der Vergangenheit, sehe tief liegende Wünsche für die Zukunft. Ich bin verwirrt und gleichzeitig fühle ich mich leicht, denn alle Ängste und erkennbare Schwere verschwinden mit dem Aufwachen und dem Bewusstwerden. Einfach so.

Vermissen ist anders. Etwas oder jemand, das/der eine wichtige Rolle in meinem Universum spielte, ist nicht mehr da. Dort wo dieses Gefühl der Verbundenheit ihren Ursprung hat, ist es jetzt leer. Je mehr ich gedanklich an diesen Ort zurückreise, um Nähe zu spüren, desto schmerzlicher wird mir das Fehlen bewusst.

Jeder kennt es: Da gibt es diese eine vergangene Liebe – Hey Mr. aX – die man gerne erinnert, die einen kurz lächeln lässt, auch wenn man sich Jahre nicht in die Augen geschaut hat. Da ist das Gefühl von Entspannung, Sonnenwärme und Glück, wenn man den letzten Tag am Meer erinnert und sich nach Urlaub sehnt. Und da ist dieses Stechen in der Brust, wenn ich mich an jemanden erinnere, der gegangen ist. Der nicht mehr Teil meiner Realität ist, und dass manchmal, weil er/sie gestorben ist. Dieses bekannte Gefühl, dass einem von Zeit zu Zeit die Luft zum Atmen nimmt, potenziert sich um ein Vielfaches, wenn Eltern ihr Kind zu Grabe tragen.

Als Mutter habe ich mein Kind Monat für Monat unter meinem Herzen getragen. Dann war plötzlich die Gewissheit da, ein still geborenes Kind für einen kurzen Moment auf unsere Erde zu begleiten. Nur um es dann als Asche der Erde zurück zu geben. Die Leere in meinem Bauch nach der Geburt war so unerträglich, dass ich meine Bauch kaum anfassen konnte. Nicht ungewöhnlich, erzählte mir kürzlich eine andere verwaiste Mutter. Auch sie hatte es so erlebt und von anderen gehört. Nun war der Bauch irgendwann wieder weg und die Leere war ins Innere meiner Seele gezogen.

09/06/2022 The day

Tomorrow will be the day. The day I knew I was going to loose my baby. Since then, this date always came after 365 other days. Year by Year. And now, it is going to be the tenth time. Some days before, I start having pain in the lower back. My whole system gets nervous until I ask myself for reasons. And then, I remember. The tragic pictures in my head start running. A transparent blanket lies on my shoulders with enough weight to feel uncomfortable. I am sad.

Because we lost our first born child. Because we had to let go the future we created as a family. I still feel the vacuum in my breast, in my heart and in my soul as a mother.

Whenever you meet a mother or father who shares this unbelievable loss, please forget about days and years which had passed since this special date. No matter how long this distance is, the pain inside is still there and always will be. And that is ok. Just write or say “I think of you and your child, today.”. It will make a big difference, I promise.

04/06/2022 Neue Wege

Der Moment, sich bewusst für einen neuen Weg zu entscheiden, bedeutet meist auch, sich gegen das Gewohnte zu entscheiden. Noch während ich diverse erste Male allein bewältige, lasse ich Vergangenes los. Auf das es nicht wieder kommt und selbst wenn doch, ich es direkt erkenne, entlarve und übergehen möge. Alle opportunities der letzen Wochen habe ich bewusst erschaffen. Die Hälfte habe ich aus guten und aktuell noch bewussteren Gründen ziehen lassen. Mit jeder Entscheidung, die ich auch von Innen getroffen habe, wurde deutlicher, was ich mir von der großen Zukunft erhoffe. Ein starker Prozess, der nicht immer leicht ist. Umso wichtiger, auch dies zu teilen. Als Gegenbewegung zu den polierten Scheinwelten, in denen alles zugeflogen kommt und ganz easy zu sein scheint.

15/05/2022 Sehnsucht

Ich spüre die Sehnsucht nach dir. Seit Jahren male ich das Bild von Zukunft mit dir. Immer sah ich dich in greifbarer Nähe. Ich plante mit dir und für dich, bereitete mich mental und gesundheitlich vor. Ich baute ein Netz von Unterstützern, um bereit zu sein. Diese Gefühl zu dir war beständig und gross. Dann kam das Nein, nicht jetzt soll es sein, vielleicht auch nie.

Das Zukunftsbild löste sich auf. Die Sehnsucht blieb. Ich erkannte, dass ich nicht dich herbeigesehnt hatte, sondern mein Vermissen als Wunsch für die Zukunft verpackt hatte. Vermissen ist endgültig wie dein Tod. Sich nach etwas sehnen dagegen lässt Raum für Hoffnung.

All die 10 Jahre ist mein Gefühl vermissen. Ich vermisse deinen Körper in meinem Arm, das Bild von dem Jungen, der du heute wärest. Ich vermisse mich, wie ich war, als du in mir heranwuchst. Ich vermisse die Leichtigkeit, das Vertrauen in die Welt, die mir meist Gutes geschenkt hatte.

Ich vermisse, dich nie bei deinem Namen gerufen zu haben und zucke zusammen, wenn ihn jemand ruft. Ich sehe dann, wie sich ein Kopf in meine Richtung dreht und an mir vorbei sieht. Ich vermisse dich unter uns Lebenden, unter uns, die deinen Namen kennen.

13/05/2022 Getrennt sein

Entwickle eine Vision vom Arbeitsalltag. Entwerfe dann ein Bild von innerer Zufriedenheit im kreativen Prozess. Vergleiche beide Ergebnisse. Während Ersteres rational und objektiv ablief, war das Schöpferische bei mir warm und intuitiv. Es gab Phasen, in denen Jobsituation und kreatives Umfeld eine grosse Schnittmenge teilten. Wann also hat sich das Getrennt sein beider Welten in mein Leben geschlichen? WARUM mache ich das, was mir an Texten zufliegt oft „nur“ ehrenamtlich? Auch jetzt gibt es den vorhersehbaren klaren Weg, eine Fortführung des Bekannten. Doch wozu versuche ich zwei Welten zu gestalten? So begreife ich das Glück derer, die mit ihrer Berufung Geld verdienen und in einem Universum bleiben. Also denke ich nochmal neu und lege Rahmenbedingungen fest. Ich verbinde kreatives Potential mit realen Problemstellungen. Eine Vision, ein Bild. Eine Einheit in einer Welt persönlicher Entfaltung. Ich suche nach Vorbildern und finde sie näher als erwartet.

18/04/2022 Richness

We went to the sea, just for one night. I felt the sun on my skin, enjoyed breathing fresh air and saw memories of last summer on my mind. Silence on the roof terrace, birds were singing while I was walking surrounded by peace and nature. To me, this is „being rich“. No luxury goods can substitute it.
And to be fair, I love luxury goods. But I do not need them to look rich just to feel rich to be rich. So what is it that makes you feel rich?

Is it freedom of time? Never having felt hunger? Living in a country where education is not a matter of money?

Having a home? I started the second year in the new flat. It is more a house on the ground floor. These walls are the biggest improvement in years. I still hear people saying why moving in a pandemic? I said because of the pandemic! No idea when it will be over! And guess what? The world started it’s third year with this unseen risk. And yes, I bought new assets, did not sell one stock. Don’t let anxiety define your decisions.

13/04/2022 Langsame Entscheidungen

Wer diese Überschrift negativ bewertet, ist Teil des Denkens, von dem ich Abstand brauche. Ich bin gedanklich zwischen dem jetzigen Job und der neuen Aufgabe. Im freien Raum zum Bewusst-werden und für langsame Entscheidungen. Eine Chance, abzuwägen und bereits im Prozess zu fühlen, welche Richtung gut ist. Dazu gehört auch, Chancen abzulehnen und zu reflektieren, was nicht kommen soll. Was nie wieder kommen darf. Dazu gehört auch, einzelne Meilensteine geduldig in eine sinnvolle Reihenfolge zu legen, anstatt alles sofort erledigen zu wollen. Zugegeben, das ist keine einfache Übung. Zu sehr werden Resultate, Steigerungen und Rekorde gesellschaftlich gefeiert. Niemand fragt nach dem chronisch gewordenen Kater unserer Seelen.

Die medial geteilten Highlights an persönlichsten Momenten sind das neue Dauerrauschen, das die analoge Welt mit Höhen und Tiefen zu ersticken scheint. Es ist eine Falle, besonders für Menschen mit ausgeprägtem Leistungsanspruch. Also weg von ungesunden Realitäten, zurück zu unserem Selbst. Es ist okay, sich Zeit zu nehmen für den nächsten Schritt. Nicht grundlos gehen Menschen in die Natur, in die Stille oder in ein Gebet, um sich mit der eigenen Zukunft zu verbinden. Für einen Moment treten wir so aus dem Alltag heraus und schaffen Luft für neue Ideen und Gedanken. Und manchmal braucht es zuvor die bewusste Verabschiedung von Altem.

31/03/22 Decke aus Schnee

Disclaimer: Triggerwarnung Depression

Starr vor innerer Kälte verlangsamt sich die Zeit.

Auf dem Schulweg durch den Schnee sammeln sich die Flocken auf Mütze und Haaren. Bis die weiße Schicht schwer wird. Zurück am Haus befreie ich einen Bambus von den Schneeflocken, da seine Stiele nach unten gebogen beinahe den Boden berühren. Ich sehe aus dem Fenster durch Äste, die fünfmal dicker erscheinen. Was hier unschuldig weiß ist, ist in der Trauer und der Depression tief schwarz. Je länger sie die Pigmente auf deine Welt legen, desto schwerer fühlst du dich darunter.

Als hielten Leichtigkeit und Freude einen Winterschlaf. Eine unheimliche Stille in dir lässt jedes deiner Worte schrill verhallen. In ein Nichts, das keine Antworten auf all deine Fragen und Ängste hat. Der Horizont ist in Nebel gehüllt, mit jeder Minuten wächst die bleierne Decke auf dir weiter an. Und du vergisst, dass deine Welt auch wieder sonnig und hell sein wird, wenn du nur durchhältst. Starr vor innerer Kälte verlangsamt sich die Zeit. Am Ende eines Tages bleibst du einfach dort liegen. Bald hoffst du, du mögest am Morgen einfach nicht mehr erwachen.

16/03/2022 Collecting

My younger me saw what I see today. Not as a memory, but in real life. I walk through old streets and collect new pictures for my future me. I try to be as present as possible. To observe the world around me. I hear the city, every time the sirens erase, I think of NYC. Heading towards old greyish buildings by the river makes a Paris moment. But all the castles and its parks are unique. Botanical leaves surround me while I take the steps to the roof. I see lots of pure designs, walk through the store of my favorite interior label and admire the CI of every café. Copenhagen – I really like you.