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  • 14/01/2022 Nerven – system

    Dieses System, dass ruhig vor sich hin läuft, wenn es dir gut geht. Es ist ein Meer aus Nervenbahnen, fein justiert und bisher nicht vollkommen entschlüsselt. Dieses innere Uhrwerk ist störanfällig. Oft merken wir den Zwischenfall erst an den Folgen. Nicht selten morgens nach einer unruhigen Nacht. Was war der Auslöser? Den Tag über fehlt Kraft, Energie. Der leichteste Gang am Fahrrad reicht nicht für die minimale Steigung.
    Könnten die Botenstoffe im Hirn doch auf uns hören und vor allem sagen, wer sie geschickt hat. Die Angst, der innere Antreiber oder die Ohnmacht? Im Unterbewusstsein treffen sich diese Gefühle im Gleichgewicht der Seele. Ist eines zu laut, wird es ins Hirn katapultiert und sorgt so lange für Aufruhr, bis wir ihm ins Gesicht sehen. Da bist du also, alte Wut. Vermisst hat dich niemand. Ah, war ja klar, das kleine Selbstmitleid hast du auch gleich mitgebracht. Super, echt – gerade war das Bewusstsein im Neubeginn voller Vorfreude und Mut, melden sich diese alten Gefährten aus dem Off.

    Solche innere Dialoge mit sich selbst kennen sicher viele. Distanz bringt mir Linderung. Ich mache mir Popcorn und Apfelschorle, und setze mich gedanklich in den Kinosessel. Vor mir die Leinwand mit meinem Gedankenstrom. Die bildliche Vorstellung meiner Selbst als Beobachterin meiner Überlegungen mildert das Drama. Meine Ratio nimmt die überwältigenden Emotionen unter den Arm, relativiert sie und erkennt Zusammenhänge. Und sie stellt die entscheidende Frage: wo stehst du, mein Gefühl? Die Antwort lautet zu 98,5% – in der Vergangenheit oder der Zukunft. Ich leide im Jetzt wegen etwas, dass ich nicht mehr ändern kann oder wegen etwas, das noch gar nicht eingetroffen ist. Meine Realität im Jetzt ist somit 98,5% besser als ich dachte. Ich glaube dieser Satz allein entspannt mich in den allermeisten Fällen direkt und nachhaltig. Probiert es gerne selbst aus.

  • 09/01/2022 Pause

    Freie Wahl haben bedeutet, zu wissen was ich möchte. Nur so wird aus der freien Wahl eine freie Entscheidung. Und so scanne ich Möglichkeiten, erkenne relevante Parameter und verliere mich dennoch in der Fülle von Optionen. Daher suche ich nach Alternativen zu diesem rationalen Weg. Ich frage meinen Bauch nach dem gefühlten, richtigen Weg. Visualisierung ist eine Idee – in welchem Setting möchte ich in vier Monaten aufwachen?

    Vorfreude auf den Tag, Begegnungen voller Respekt und Menschlichkeit, spannende Aufgaben und weiterhin ein warmes Zuhause zum entspannen und auftanken.

    Also male ich Bilder in meinem Kopf, spinne Konzepte weiter und suche nach dem Gefühl noch mehr angekommen zu sein – in meinem Leben, jetzt.

  • 01/01/2022 I was once where you are now

    The reason why I decided to go online: To share my experiences to help others.
    There was the day when I had seen the fireworks at midnight through caged windows. I did not believe to be back in my old life one day. Today, years later, I am under the same stars without cages and without fireworks due to the pandemic rules. But only some kilometres away, you are the one sitting in a comparable situation that I was in, years ago. The point of my biography where my life could have ended. And I want you to know that you are not alone. That the path is not ending, just correcting its direction. To something new, something different and somehow better. There is hope in this story – for all of us.

  • 18/12/2021 Sehnsucht

    Eben noch dachte ich, durch das Jahr 2021 galoppiert zu sein, während ich vom seitlichen Strick namens Pandemie ausgebremst wurde. Doch rückblickend ist es ein sehr leises und monotones Jahr gewesen. In diesem Jahr habe ich zwar weniger Hotelübernachtungen und Flüge storniert als im Jahr zuvor, doch gerade das Fehlen der ausgemalten, wenigen Reisen war in meinem Kopf laut wie nie.

    Beim Durchblättern des frisch gedruckten Fotobuches diesen Jahres sind es die Auszeiten an Nord- und Ostsee gewesen, die als Fenster zu anderen Welten Hoffnung gaben. Ohne täglich in zwei bis drei Sprachen zu lesen, zu denken und zu reden, während ich versuche bekannte Worte in dem mich umgebenden Italienisch zu erkennen, hätte ich mich längst wieder deutsch statt europäisch gefühlt. Es ist die Lust auf Neues, nach der ich sehne. Dieses hörbare Herzklopfen im Landeanflug, die fremden Stimmen aus Bahnhofslautsprechern und die Goldfieber-Suche nach dem besten Frühstückscafé. Überhaupt Essen, Straßenschilder, historische Fassaden und der Reichtum an unbekannten Schätzen eines Ortes, den ich zum ersten Mal begehe – all das vermisse ich sehr.

    Reiseerinnerungen halte ich schon immer besonders fest, kann auch kleine Dinge abrufen und mich neu darin verlieren. Beim Aufräumen, eine bewährte Übersprungshandlung bei mir, entdeckte ich zwei Fotos wieder. Also entwickelte Fotos zum Anfassen. Das erste hatte ich nicht bewusst aufgenommen. Ich erinnere mich sehr intensiv an diesen Moment in der Wüste. Wir fuhren vor dem Morgengrauen mit Geländewagen in der Sahara, bestiegen eine Sanddüne und warteten auf den Sonnenaufgang. Magisch, farbig leuchtend und so still. Diese Szene zeigt das Foto, welches ich direkt gerahmt und ins Fenster gestellt habe.

    Das zweite Foto zeigt einen uralten, schwarzen Kaminofen in einem dänischen Gutshof. Drei Familien hatten sich dort getroffen, um gemeinsam ins neue Jahr zu feiern. Es lag Schnee auf den Feldern rund um diese alten Mauern unter Reet. Abends trafen wir uns im Kaminzimmer, der Ofen bollerte, und spielten, während die Erwachsenen redeten oder in einem Buch lasen. Eine behagliche Wärme verbinde ich mit diesem Foto, welches nun im Regal, direkt neben unserem schwarzen, modernen Kamin steht.

    Und so sind es die gedanklichen Reisen in die Vergangenheit und das Ausmalen neuer Reisemomente, die mich kurz vergessen lassen, wie beschränkt die Möglichkeiten gerade sind auf dieser Welt.

  • 14/12/2021 Aussprache

    Ich übe mich darin, mich mit anderen auszusprechen. Darüber was ist. Jeder aus seiner eigenen Realität heraus. Jeder mit Emotionen im Unterton und mit der Absicht, etwas zu lösen. Als würde man sich gegenseitig die Knoten aus der eigenen Gedankenhelix entfernen. Danach geht es mir besser. Zu wissen, die eigene Sicht der Dinge benannt zu haben, lässt viel Schwere von mir abfallen. Es bleibt noch ein Weg vor mir, doch setze ich den Fuß leichter und bewusster auf.

  • 09/12/2021 Ermüdung

    Von einem Ermüdungsbruch eines Knochens haben viele bereits gehört. Ich habe den Verdacht, dass sich der Begriff auf Beziehungen übertragen lässt. Wenn die immer gleichen Gedanken um eine sich nicht einstellende Veränderung zum Guten kreisen, werden Kräfte verzehrt, bis es eines Tages reißt. Und nein, es kommt nicht überraschend. An diesem Punkt angekommen hilft keine Behandlung. Es wird nie wieder wie am Anfang sein und jeder nächste Schritt ist eine nüchterne Abkehr von dem, was wir so lange festgehalten und doch nicht geheilt haben.

    Während der Bruch im Knochen immer bedauerlich ist, muss es der Bruch in Beziehungen nicht sein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich sogar recht bald ein Gefühl von Leichtigkeit einstellen kann. Mit dem Bruch habe ich die Entscheidung getroffen, alleine weiterzugehen und lasse die Last hinter mir. Beim anderen.
    Und doch fällt es mir aktuell nicht leicht einen längst angekündigten Bruch als solchen anzuerkennen, um alleine weiterzugehen.

  • 14/11/2021 Landscapes

    What about seeing landscapes of the past? The more often I am there, the more bookmarks my memory collects.

    A blanket full of printed trees without leaves. I was little, half-grown with horses in my head. Every drive through wide meadows by night, I looked up to the black branches. Long alleys limited by these giants. I felt embraced by nature and every sleep in this blanket reminded me of these moments on the road.

    Today, I saw this landscape called home, again. Decades later, the warmth inside me causes a little smile on my face.

    There is only one stronger link to coming home from my childhood: the way from south through the harbour with all its lights and reflections.

    Lights and reflections awake another landscape from the past. An Asian city separated by water. I used to live and work on one side and celebrated the weekends on the other side. Skyscrapers showed their colourful beauty at night. This city leads me to its soundscape. For me, it was the first place where I recognised the sound of a city. Even on the hills around, all the noises made a base tone. Well, trying to sleep with an open window was the other side, sure. And only topped by nights in New York City.

    I just returned from a weekend by the sea with a long beach and a quite forest. Barely any sound, but the smell of salty water and humid wood.I have not heard about a smellscape, yet. Until now..

  • 13/11/2021 Am Meer

    Hier, genau hier, stehe ich, vor mir das Meer. Vor mir die endlose Weite, verhangen von dichtem Nebel, der den Horizont verschluckt hat.

    Der Weg aus Bohlen führt mich hinaus zu der Möwe, die rastet, wo ich im Sommer noch selbst geschwommen bin. Glitschig ist das Holz unter meinen Füßen, ich gehe über die brechenden Wellen ein Stück hinaus. Neben mir das klare Nass, ich sehe auf den Grund. Nur vor mir bleibt es körnig grauweiß ohne jeden Sonnenstrahl. Und das ist ok. Mehr Klarheit unter mir, nur vor mir kaum Sicht. Das ist mehr als zuletzt im schweren Raum trauriger Gedanken.

    Ich habe Steine gesammelt, nur tief schwarze. Ich suche immer nach einer Besonderheit, doch nach tief schwarzen Steinen habe ich noch nie geschaut. Es war das Bild eines Teil meines Herzens, dass von Trauer gefärbt und versteinert ist. Ich fand eine Handvoll in unterschiedlichen Formen und mit einigen weißen Flecken. Ganz zum Schluss fand ich einen rosé farbenen, runden Stein. Vor meinem inneren Auge ergibt sich daraus eine Fotoreihe aller Steine, die eine Geschichte erzählt. Die meiner Herzmomente, die neben Wandlungen in schwarz, das lebendige Rosé wieder finden.

  • 05/11/2021 Über morgen

    Manchmal schlängelt sich eine bleiernde Schwere um mich, erzwingt den Stillstand und sieht mich fragend an. „Wo willst Du hin, wenn hinter Dir Fragen auf Antworten warten? Wie kannst Du an den nächsten Schritt denken, wenn Du den Weg hinter Dir noch nicht verstanden hast?

    Ich fühle mich erdrückt von der Trauer, lasse meine Gedanken in ihr Schwarz färben und beginne Stillstand als logische Konsequenz zu verstehen. Die Kraft für Widerspruch schwindet und so gehe ich in die Knie. Wie zur Hölle konnte ich über morgen nachdenken, wenn ich doch auf den Trümmern meines Schicksals stehe?

  • 16/10/2021 Home

    Wenige Tage in der Ferne und das Gefühl einer anderen Welt tut sich auf. Dennoch: In den eigenen vier Wände ist der einzige Ort, an dem ich mich „normal“ fühle und bewege.

  • 23/09/2021 Spannung

    Die Kühle der letzten Tage kriecht in meine Seele, angetrieben von etwas Wut und Trauer. Spätestens am Nachmittag fröstelt es mich regelrecht. Nach einer halben Stunde am Kaminfeuer ist die Wärme zurück. Die Emotionen wurden angeschaut, doch das getrübte Gefühl bleibt.
    Gedanklich hänge ich dem Sommer nach, ärgere mich über die Notwendigkeit einer Jacke. Ich liebe den Herbst, seine Farben und Spaziergänge bei leichtem Wind. Aber noch nicht jetzt. Die Spannung zwischen innerem Befinden und dem Jahreswechsel im Außen wird noch etwas bleiben. Vielleicht steht es auch im Zusammenhang mit der Erkenntnis: vielleicht habe ich die Hälfte aller Sommer meines Lebens schon erlebt. So wäre es Wehmut, die bedrückend ist und dabei so nachvollziehbar. Die eigene Sterblichkeit im Bewusstsein schenkt intensives Erleben und Dankbarkeit für alles was ist. Gut möglich, dass dieser Sommer also einfach besonders schön gewesen ist.

    Also male ich vielleicht schon morgen ein ebenso schönes Bild vom neuen Herbst.


  • 11/09/2021 Leben in Bildern

    Es gibt eine handvoll Bilder, die ich vor meinem inneren Auge auf die weiße Fläche namens Zukunft projiziere. Eines davon ist schon ziemlich alt, begleitet mich immer wieder in Tagträumen und hat mich einst aus den Klauen der Depression gezogen. Wissend, dass wir stets unsere eigene Realität vor unseren Augen erschaffen, hilft mir die Vision von etwas Neuem und Erstrebenswerten. Ich sehe tief in einen hellen Raum, dichte Nadelbäume vor der Fensterfront. Puristisch das Interieur, die Wärme der Familie spürbar und die Stimmen hörbar.

    Doch was passiert, wenn eben diese Vision plötzlich eine reale Option ist? Wie groß ist das Bedürfnis nach diesem Bild, wenn es zuvor doch einer Utopie glich? In dieses Bild konnte ich fliehen, wenn mir die Realität zu viel oder zu wenig war. Würde das Heilsame verloren gehen, wenn die ausgemalte Zukunft vor mir steht?

    Bei all diesen Überlegungen merke ich deutlich, dass das Unerreichbare große Freiheit beim Gestalten gibt. Während das Umsetzbare eine Verbindlichkeit einfordert, die zunächst überfordern kann.

  • 30/08/2021 Life in circles

    Sometimes, you are part of something that goes forward without gaining any progress. Literally, it is a trap, a bug in a hit-and-run video game or just a dead end.

    Nothing left to say about it. I consist that I am stuck in a pause monitor. And I wait for an inner yes to continue. Until then, I will swim along the side rail of fake security.

  • 29/08/2021 When it all comes down

    All these years I have known that there will come the day when all unspoken troubles show up. Not as a friendly hello, hi there, but as the cold behind my shoulders. Now, it is here. With all these questions longing for answers. The moment we are confronted with uncontrolled situation, the auto pilot starts running. An automatic program of survival. The hour-by-hour, day-by-day sequences in which functioning is the only thought we have.

    But it is not true. While doing things and planning the next ones, we seem to control the situation that we do not control at all. While writing these lines, I feel that the unexpected turn around is reality. I just do not know much about it.

    That is exactly the reason why I made a decision right at the beginning of this tornado of events: to surrender. And by that I do not mean to give up in general. Just to give up the idea of control. Whatever is outside, it is caused there. I have neither the chance to heal others nor to cover up others‘ wounds. I can only stay focused, listen for a while and give time and the necessary support.