Kategorie: Allgemein

  • 29/09/2020 Einfach Spielplatz-Mutti

    Heute habe ich mich geschminkt. Wie zuletzt vor wenigen Wochen, als es mir schonmal wieder besser ging. Mein Outfit ist auch schick, die Haare gestylt. Ich habe mein Kind von der Schule abgeholt, bin einer spontanen Verabredung unter Kindern gefolgt. Ein neuer Kontakt mit Nummerntausch unter Müttern. Nun sitze ich auf einer Bank. Auf dem Spielplatz. Ganz wie eine normale Mama. Das Buch zum Lesen dabei. Und beobachte mein Kind beim Spielen. Unterhalte mich mit beiden Kleinen, reiche Croissant und geschnittenes Obst und Gemüse.
    Das bin ich HEUTE.

    In den letzten zwei, drei Wochen saß ich 3-4 Mal pro Woche hier. Allein, mit Bekannten oder als Familie. Von außen betrachtet sah ich aus wie JETZT – nur etwas weniger schick. Meine Gedankenwelt war komplett konträr zu der eben beschriebenen.

    Mein Kopf war eine Achterbahn mit Loopings ins Bodenlose.
    Wieso kann ich nicht normal sein? Mich locker im Smalltalk über den Spielplatz bewegen. Mein Kind anlächeln oder auch bei Gefahr zur Vorsicht mahnen. Freude dafür empfinden, dass ich ein gesundes, glückliches Kind habe.

    Ich fragte mich heute, was meinen mentalen Zustand so verbessert haben könnte. Ich hatte mich in Empathie geübt. Menschen im Rollstuhl gesehen, an Krücken, mit Augenverbänden und Behinderungen. Junge wie Alte. Es heißt, wenn depressive Menschen andere sehen, denen es nicht gut geht, so wird Empathie empfunden. Die macht einem bewusst, was bei einem alles doch da ist und trotz Depression geht. Anstatt nur zu sehen, was gerade alles nicht geht – wie es mein Therapeut gerne ausdrückt.

    Heute hatte ich mich zuvor auf einer anderen Parkbank (ja, ich bin krank geschrieben und habe Zeit für sowas) gefragt: “Mit wem verbinde ich die größte Empathie?“. Sofort war es da. Das Bild des nackten, krabbelnden Säuglings in einer schlammigen Auffahrt draußen neben dem SUV-Reifen. Ich drinnen im Luxus, der Neuerdling im indischen Slum unter einer Brücke. Es war knapp gewesen, es war die Ausfahrt eines Parkplatzes. Schritttempo. Dennoch saß der Schock tief. Der Suchende Blick nach der dazugehörigen Mutter sitzt mir unvergessen in der Brust.

    Seither sehe ich alles, was ich habe und diesem kleinen Menschenkind gefehlt hatte. Mein warmes Zuhause – statt des 4. Zimmers, das so dringend benötigt wird.

    Mein gesundes Kind, statt der gesundheitlich stark beeinträchtigten Kinder in der Notaufnahme. Unser Armbruch, also der meiner Tochter, ist in 2 Wochen verheilt. Gips ab, die zu großen Shirts zur Seite legen für nächstes Jahr zum Sport. Alles gut. Kein existentielles dramatisches Unheil.

  • 29/09/2020 Zuvor

    Zuvor. Also vor wenigen Wochen. Da kam die zweite Talfahrt mit zwei Wochen im Krankenhaus. Schwere depressive Episode. Es ist erstaunlich, wie sehr das Selbstbild noch dem fremden optimistischen Blick meines Umfeldes hinterher hingt. Schon vor 10 Tagen hieß es, es wären deutliche Fortschritte zu erkennen. Seit gestern spüre ich die Energie selbst. Ich habe mich tagelang an das bessere Fremdbild von außen geklammert, versucht meine Wahrnehmung vom Negativen in den liebevollen Gegensatz zu transformieren. Es gelingt immer häufiger und auch diese Worte sprudeln wieder in erfreulicher Spontanität aus mir heraus. Ich erkenne mich endlich wieder selbst. Gestern noch sagte mein Mann es sei nicht ich, die gerade an seiner Seite leben würde. Und ich verstand genau, was er meinte. Ist es das eine Medikament weniger, dass ein Stück Ich frisch freigelegt hat? Vielleicht. Mit diesem Gedanken gehe ich weiter in meinen Tag, in meinem Leben, hinein in einen sonnigen Herbsttag.

  • 29/09/2020 Dankbarkeit – ein neues kleines Hoch

    Es ist ein Kreislauf, ein Zyklus. Es wiederholt sich. Ein tiefes Loch in Dunkelheit eben erst verlassen, steigt die Stimmung jetzt von Stunde zu Stunde. Ich komme zurück ins Handeln. Und gehe alle Möglichkeiten der Prophylaxe ein. Therapiegespräche, Medikamente, nochmal ein Medikament und das Durchsetzen eines Hormonzusatzes. Denn ich werde das Gefühl nicht los, dass der Ursprung allen Übels – meiner Depression – das Ungleichgewicht dank damaliger Still-Pille ist. Und so würde sich ein Kreis schließen und das JA zu einer lebenslangen Medikation ist gesagt. Es geht weiter. Schritt für Schritt, Hürde um Hürde, Stunde um Stunde. Im JETZT eingehüllt im tanzenden Lichtschatten, HIER im runden Park. Ein Ort, an dem das Glück zu wohnen scheint. So wie die Fenster mich anstrahlen und jedes leere Fenster die Illusion eines baldigen Einzugs schenkt. Hoffnung folgt der Zuversicht – oder bedingt es sich gegenseitig? …

  • Am Meer

    Schäumende Kronen, die auf mich zurollen und mit leichtem Brummen an Land kommen. Vor mir im Sonnenlicht, erst links und dann rechts. Möwen auf dem Sand, die Segelboote am Horizont.

    / Juli 2020 – in einer schweren Phase auf dem Weg der Zuversicht /

  • Nächste Schritte

    Um weiter gehen zu können, braucht es vieles, das ich jetzt wieder habe. Also los!

    / Juli 2020 – wieder Zuhause /

  • Dankbar

    Für alle unterstützenden Worte und Taten, für den Glauben an mich und jeden Moment des Schlafens.

    / Juli 2020 – in einer schweren depressiven Episode /

  • Wende

    Es wurde aufgehoben, so dass ich die Pause bewusst annehme und mich gleich auf den Spaziergang freue. Lernen, mich auszuhalten und zuversichtlich für neue Energie zu bleiben. Das ist die Aufgabe.

    / Juli 2020 – während des Klinikaufenthalts, als ich glaubte, es zu schaffen, wenn ich mich nur genug anstrenge /

  • Volle Kraft voraus

    Eben die Ruhe als zu ruhig empfunden kommt nun die Unruhe in Person. Also arrangieren und klar abgrenzen, auf meine Ziele fokussiert bleiben. Ich habe mein Ziel vor Augen, ich gehe mit dem Fluss und feiere jeden kleinen Moment. Ich habe vertrauen in meine Kraft und die unterstützende Hilfe, die ich bekomme. Es wird alles gut. Ich bleibe klar und ruhig bei mir. Es wird sich finden, halte durch.

    / Juli 2020 – Klinik. Einzelzimmer adé. /

  • Traumland

    Es liegt am Wald, in der Nähe eines Flusses. Dieses Stückchen Erde ist geprägt von wilder Natur. Die Blüten wechseln mit den Jahreszeiten. Riesige Bäume tun sich auf und schützen mich wie ein Dach. Es sind Wege, die sich hindurch schlängeln und immer neue Ansichten schenken. In Bewegung zu sein, bedeutet hier mit dem Rhythmus der Natur zu sein. Bei Sonne wie Regen, bei Dürre und bei Flut.
    Dort steht eine Häuschen aus hellem Stein. Ganz allein und doch besonnen ganz auf sich. So zeigt sich das stabile Haus als Vorbild für mich. Ja, in sich ruhend, stark und widerstandsfähig, wenn es mal stürmisch wird.

    / Frühjahr 2020 – mein Bild vom inneren Frieden /

  • Elfenstaub

    Sie ist klein und doch so stark. Die kleine Elfe des Lichts setzte sich auf meine Schulter und legte ihren Energiestaub auf mein Herz. Du hast geruht und nun starte voller Vertrauen in diesen neuen Tag!!

    / Im Frühjahr 2020 – mein Anker in schweren Momenten /

  • Buch Teil 1

    Es sollte ein kleines Buch werden, voller schöner Momente. Doch das wahre Leben zeigte sich von einer anderen Seite. Hier soll es darum gehen, was hilft, um aus dem Dunklen hervorzutreten.

    Es waren drei Freundinnen. Sie kannten sich gut, waren unterschiedlich und teilten einen gemeinsamen Weg.

    An einer Weggabelung machten sie halt, hielten inne und waren sich ihrer Gemeinschaft dankbar bewusst.
    Sie gingen weiter, jede in ihre eigene Richtung und dennoch blieben sie sich verbunden.

    / Im Frühjahr 2020 – für Ini und Maiki /

  • Blaue Perlen

    .. aus dem Urlaub, einem schönen Moment im heißen Sommer. Ein Andenken, welches sie mir mitgegeben hat, um mir Kraft zu geben. Sie ist ein wundervolles Geschöpf, voller Witz und frechen Eigenheiten. Lässt sich nicht alles sagen, hat ihren eigenen Kopf. Und das ist gut so.

    / Im Frühjahr – in Dankbarkeit für schöne Erinnerungen mit meiner Tochter /

  • Lichtblick

    es sind die kleinen Momente, die mir Hoffnung geben. Voller Vertrauen mit jedem Schritt weiter gehen. So kann es funktionieren.

    / Im Frühjahr 2020 – die Mutmacherin in mir /

  • Box #7 Brücken ins Vergangene

    Es sind kurze Momente der Erinnerung, die sich ganz unvermittelt auftun.

    Kleine Verbindungen in eine vergangene Parallelwelt. So als könnte ich kurz zur Seite springen auf den Zeitstrahl der Vergangenheit, der unsichtbar neben mir her läuft.
    Und dann sehe ich mein altes Ich am gleichen Ort mit all dieser Schwere, den blitzenden Gedanken und der Unruhe auf meiner Haut. Ich spule ab, was ich wahrgenommen hatte in meiner Passivität, unfähig Teil von der Welt zu sein. Dann schließe ich die Augen, atme tief aus und bin zurück in meiner heutigen Realität. Und mache weiter. Mit dem Leben.

    Mit der Nachricht vom Tod meines geliebten Großonkels springe ich zurück. Ganze 10 Jahre zum schönsten aller Tage. Sehe uns alle im Wintergarten, blicke Dich an und sage Auf Wiedersehen. Ich gehe weiter zurück an den Deich von St. Peter-Ording an Kindertagen, spüre das Licht und den Wind der Nordsee. Ein lebendiges Bild voller Wärme, das mich mit Dankbarkeit erfüllt. Dieses Geschenk nehme ich weiter mit in meinem Herzen.

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  • Box #6 In Wellen

    Kein Gefühl ist immer gleich stark, kein schwarz immer gleich schwarz, kein Schmerz permanent.

    Es ist ok, jeweils die intensivsten Sequenzen wahrzunehmen, doch es wichtig zu lernen, diese Momentaufnahmen nicht festzuhalten, um die darauf folgende Veränderung nicht zu verpassen. Es ist unglaublich befreiend zu wissen, dass die Welle, die einen erfasst, auch wieder bricht. Das ich die Zeit zum Luft holen nutzen und die nächste Welle empfange kann, anstatt vor hier zu fliehen.

    Widerstand verbraucht Energie. Je mehr ich mich aufbäume, desto mehr Angriffsfläche biete ich an. Sich tragen lassen, mit der Bewegung gehen, ist möglich und weniger intensiv.

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